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Gödenrother Gärten

PerNaturam ist eine inhabergeführte Manufaktur, die Ergänzungsfuttermittel hauptsächlich aus Kräutern und Pflanzenextrakten herstellt. Ein wesentlicher Bestandteil unseres Erfolgs ist das spezielle Wissen über Heilpflanzen, ihre Inhaltsstoffe und die besondere Wirkung auf die Ernährung und Gesundheit der Tiere. Wenn Pflanzen Menschen oder Tieren zu mehr Gesundheit und Vitalität verhelfen können, wieviel mehr können sie sich gegenseitig stärken und unterstützen. Nach dem Motto Pflanzen helfen Pflanzen vertreibt PerNaturam unter der Marke Hortulust Pflanzenstärkungs- mittel und Bodenhilfsstoffe.

Es lag uns immer am Herzen, dieses Wissen lebendig zu halten und weiterzuvermitteln und solange wir für und mit Tieren und ihren Haltern arbeiten, haben wir unsere Kenntnisse in zahllosen Informationen, Beratungen und Seminaren weitergegeben.

Gibt es für diese Vermittlung einen besseren Ort als einen Garten? Eine der Haupttugenden des Gärtners ist die Geduld. Auch uns wurde viel Geduld abverlangt. Von der Garten-Vision über die Planung und Umsetzung bis hin zur Realisierung hat es lange gedauert. Seit über dreißig Jahren existiert unsere Firma und so lange erzähle ich voller Freude von den Pflanzen und Blüten meiner inneren Gärten.

Heute präsentieren wir den Garten im Eröffnungszustand. Ein Garten ist nie fertig, das weiß jeder, der einen Garten pflegt. Ein Garten ist eine Aufgabe, er unterliegt permanentem Wandel und der Weiterentwicklung. Ein frisch angelegter Garten ist wie ein kleines Kind, dessen Potential sich noch entfalten wird.

Begleiten Sie die Gödenrother Gärten in ihrer Entwicklung, in ihrem Werden und Wandeln und schauen Sie sich ihre Themen und Inhalte an. Besuchen Sie die Gärten immer wieder mal!

Das Signet der Gödenrother Gärten ist die Lilienblüte, sie wird Ihnen im Garten immer wieder begegnen. Der Gedanke dahinter ist die Blume des Lebens, die sich aus der sechsblättrigen Lilienblüte entwickelt. Bis weit in die Renaissance ging man mit dem Begriff »Lilie« sehr großzügig um und verwendete ihn auch für Taglilien, Amaryllis, Gladiolen und Iris. In der Wappenkunde wird die Iris meist als Lilie bezeichnet, prominentes Beispiel ist die Französische Lilie, oder auch die Wappen von Darmstadt, Wiesbaden oder der Stadt Lille. Mit der Madonnenlilie Lilium candium hat diese heraldische Darstellung nichts gemein. Wie die Rose gilt die Lilie als eine der ältesten kultivierten Zierpflanzen überhaupt. Sie wurde im hohen Lied Salomos erwähnt und ist auf antiken Vasen abgebildet. Lilium candium, die Madonnenlilie, wurde Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus in Kleinasien kultiviert.

Die Lindentreppe

Der Hauptzugang zu den Gödenrother Gärten erschließt sich unterhalb der Verbindungsbrücke. Eine sanft ansteigende, gestufte Rampe führt hoch auf die Gartenebene. Die Treppe führt von Linden gesäumt zum Treffpunkt Garten. An dieser Stelle sieht man auf nahezu alle Gartenbereiche und kann sich entscheiden, in welchen Bereich man sich zuerst wenden will. (Einen barrierefreien Zugang gibt es über den oberen Weg an der Terrasse.) Die Bedeutung der Linde als Heilpflanze, ihre geschichtliche und mythologische Bedeutung finden Sie im Baumportrait.

Hortus, der Lehr- und Schaugarten

Das Zentrum der Gödenrother Gärten ist der Lehr- und Schaugarten. Wir bezeichnen ihn als Hortus und erinnern uns dabei auch an Walahfrid von der Reichenau, genannt Strabo. Er lebte von 809 bis 849. Der Benediktinermönch war Botaniker, Dichter und Diplomat, von 838 bis 849 war er der Abt des Reichenauer Klosters. Um 840 schrieb er das Buch Über die Kultivierung der Gärten, bekannter unter dem Namen Hortulus, das Gärtchen. Es ist eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters. Lesen Sie dazu den gesonderten Bericht über den Benediktinermönch: zum Artikel

Unser Hortus besteht aus 16 Beeten, rund um einen zentralen Platz, der mit einer im Boden eingelassenen sechsblättrigen Blüte betont wird, dem Liliensignet. Über diesem Platz erhebt sich eine Ringpergola, die noch von Kletterpflanzen aus den Hochbeeten berankt werden wird.

Jedes Beet hat sein eigenes Thema und in den Beeten sind die Heilpflanzen nach therapeutischen Gesichtspunkten gruppiert. Drei Pflanzenfamilien, die besonders reich an Heilpflanzen sind, stellen wir in eigenen Beeten vor: Lippenblütler, Doldengewächse und Korbblütler. Wer Heilpflanzen sammelt, sollte auch Giftpflanzen kennen, darum haben wir auch diesen ein eigenes Beet gewidmet.

Die Themen der 16 Beete sind:

  1. Atemwege
  2. Herz, Kreislauf und Gefäße
  3. Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse
  4. Artemisia-Arten und andere Bitterpflanzen
  5. Haut und Haar, Fell und Gefieder
  6. Nieren und Urogenitaltrakt
  7. Magen, Darm, Verdauung
  8. Bewegungsapparat, Knochen und Gelenke
  9. Heilige Pflanzen/Marienpflanzen
  10. Duft- und Räucherpflanzen
  11. Giftpflanzen
  12. Phytobiotica: Pflanzen für das Immunsystem
  13. Frauenheilpflanzen
  14. Mediterrane Pflanzen und Lippenblütler
  15. Doldenblütler
  16. Korbblütler

Unterschiedliche Beetgrößen und -höhen laden ein zum Erkunden. Durch Sehen, Fühlen und Riechen sollen die Pflanzen (be)greifbar gemacht werden. Verschiedene Accessoires in den Beeten verdeutlichen, wofür die Pflanzen eingesetzt werden können. Noch sehen Sie viele Setzlinge und Jungpflanzen, sie sind auch noch ziemlich klein, aber bald werden sie üppig wuchern.

Steppenbeete an der Straße

Die Steppenbeete zeigen eine artenreiche, blühwillige und insektenfreundliche Möglichkeit, einen Garten ohne große Pflege- und Gieß-Ansprüche anzulegen. Trockenresistente Pflanzen sind in die Erde gepflanzt, der Boden wurde mit einer Steinschicht abgedeckt. Die mineralische Mulchschicht reduziert den Wildkrautaufwuchs, speichert Wärme und wirkt klimatisch ausgleichend. Hier fühlen sich viele Blütenpflanzen, Zwiebelgewächse und Steppengräser sehr wohl. Pflegemaßnahmen sind zweimaliges Jäten und ein moderater Rückschnitt. In Stängeln und Samenständen sollen Vögel und Insekten auch im Winter Nahrung und Schutz finden.

Der Heidegarten

Im anschließenden Heidegarten sind ebenfalls Pflanzen versammelt, die mit wenig Wasser zurechtkommen. Im Gegensatz zum Steppenbeet wurde der Boden hier mit Rindenmulch abgedeckt, um ein feuchtsaures Bodenmilieu zu erhalten. Typisch für die Heide sind Birke, Kiefer, Erika-Arten, Wacholder, Waldrebe und verschiedene Wildbeeren.

Obstbäume

Im weiteren Jahresverlauf werden wir am Weg entlang einen Obstgarten mit alten Sorten und Arten anpflanzen. Vorher wollen wir den verdichteten Boden auflockern. Dazu helfen uns Gründüngung, Kompost und zahllose Bodenorganismen, die die Erde wieder kulturfähig machen, damit dort die Bäume auch wachsen können. Wir werden dokumentieren, wie wir die Erde aufbereiten.

Der Teichgarten

Kaskade am GartenteichWasser ist ein wichtiges Lebenselement und ein Garten ohne Wasser ist nicht denkbar. Im Teichgarten bilden der Wasserlauf, der mit Kolken gegliedert ist, zusammen mit dem Teich Lebensraum für verschiedenen Pflanzen und Tiere. In den feuchten Standorten wachsen Weide, Mädesüß, Schilf, Brunnenkresse, Wolfstrapp, gelbe Sumpf-Iris, Blutroter Weiderich, Kalmus, Sumpf-Knöterich und andere Pflanzen feuchter Standorte.

Die Holz-Pavillons an der Teichterrasse können für Veranstaltungen genutzt werden.

Hildegard-Rabatten

Die Pergola begleitet die Produktionshalle und überspielt die Höhenübergänge. In den Rabatten entlang der Pergola sind Pflanzen der Hildegard-Medizin angepflanzt. Die heilige Hildegard von Bingen war Benediktinerin; sie lebte 1098 bis 1179; sie verstarb im Kloster Ruppertsberg bei Bingen, das sie selbst gegründet hat. Als Mystikerin, Äbtissin, Dichterin, Komponistin und Heilkundige war sie eine Universalgelehrte der damaligen Zeit. Die Gebeine der heiligen Hildegard ruhen in der Pfarrkirche zu Eibingen bei Rüdesheim, der ehemaligen Klosterkirche des von Hildegard gegründeten Filial-Klosters Eibingen. Die Abtei St. Hildegard in Eibingen wurde erst am Anfang des 20. Jahrhunderts begründet.

Hildegard beschrieb in ihren visionären Werken Causa et Curae und Physica viele Pflanzen und benutzte dabei im lateinischen Text deutsche Namen. Dadurch wurden viele deutsche Pflanzennamen erstmals dokumentiert.

Hildegard verwendete überwiegend einheimische Pflanzen; in ihren Ernährungsempfehlungen erwähnt sie auch Obst, Gemüse, Wein und Getreidearten wie Emmer und Dinkel. Einige größere Pflanzen, vor allem Doldengewächse, haben hier in den Hildegard-Beeten einen Standort gefunden.

Permakultur/ Nutzgarten

Auf der anderen Seite des Weges mit den Hildegard-Rabatten, schließt sich unser Nutzgarten an, den wir in Permakultur bewirtschaften. Die schweren Lehmböden des Hunsrücks sind für Bauern und Gärtner eine große Herausforderung. Bei Nässe schmierig wie Seife, bei Trockenheit hart wie Beton. Dazwischen liegt nur ein kurzes Zeitfenster, in dem eine vernünftige Bodenbearbeitung möglich ist.

Bei der Bearbeitung muss man den Bedürfnissen des Bodens folgen. Mit kluger Fruchtfolge, Gründüngung und Kompostwirtschaft können die Bodenlebewesen gefördert, die Bodenstruktur verbessert und die Bearbeitung des Bodens erleichtert werden.

Die Hochbeete im Nutzgarten werden mit Kompost versorgt. In den Permakulturbeeten wird permanent gepflanzt und geerntet, ständig wird neuanfallendes organisches Material zur Kompostierung hinzugefügt.

Der Paracelsus-Garten

Ein Heilpflanzengarten, in dem auch die Signaturen der Kräuter besprochen werden sollen, muss auch dem als Namensgeber dienenden Arzt, Alchemisten und Naturphilosophen Reverenz erweisen.

Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Parcelsus


Wo andere sich abwandten, hat er sich hingewandt, das galt den Armen und auch den unheilbar Kranken, das galt auch in wissenschaftlichen Fragen der Medizin, der Chemie und der Botanik. Paracelsus schaute überall sehr genau hin.

In unserem Garten haben wir ihm das Schattenbeet an der Pergola-Böschung gewidmet. Wie Hildegard erhielt auch Paracelsus eine Ausbildung bei den Benediktinern. Er war Schüler im Kloster Einsiedeln in der Schweiz, wo er 1494 in der Nähe von Egg geboren worden war. Er kannte die Schriften der Hildegard von Bingen. Wie sie bevorzugte auch er Heilpflanzen aus der Region.

Grabstein des ParacelsusIm Zusammenhang mit der Signaturenlehre und der Kommunikation mit den Pflanzen erwähnt Paracelsus Hildegard von Bingen und ihre Visionen. »Warum«, fragte Paracelsus, »träumte der heiligen Hildegard die Heilkraft der Arzneien?« Und er beantwortete die Frage: »Weil sie in ihren barmherzigen Gedanken mit ihren Kräutern und mit ihren armen Kranken immerfort Umgang pflog.«

Paracelsus riet seinen Schülern in den aufgeschlagenen Büchern der Natur zu lesen, ergänzte aber dazu, dass derjenige, der erst die Buchstaben lernen müsste, sich dabei schwertäte.

Paracelsus starb 1541 in Salzburg, vermutlich an einer Quecksilbervergiftung. Er wurde 1541 auf dem Salzburger Friedhof der Kirche St Sebastian begraben. Ruhe fand er dort keine, denn zweihundert Jahre später, 1752, wurden die Gebeine exhumiert und im Kreuzgang am Treppenaufgang zur Kirche beigesetzt. Ein großes Grabmal zeugt von der andauernden Wertschätzung des großen Gelehrten; die lateinische Grabinschrift ist ins Deutsche, Englische und Französische übersetzt.

In unserem Paracelsus-Garten haben wir Efeu von dem Salzburger Friedhof St. Sebastian angepflanzt und etwas von der Erde, in der er wuchs, ausgebracht.

Manfred Hessel

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