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Die Linde

Lindenblüte
Tilia cordata (Winterlinde), Tilia platyphyllos (Sommerlinde)


Einer der größten und schönsten Bäume Europas ist die Linde. Die Winterlinde wächst überwiegend in den Mittelgebirgen und ist über die Karpaten und Russland bis nach Westsibirien verbreitet. Die Sommerlinde ist empfindlich gegen Spätfröste, ihr Verbreitungsgebiet liegt weiter nach Süden verschoben. Die mächtigen Bäume beider Arten können 30 bis 40 m hoch werden.
Die Wurzeln der Linde reichen tief in den Boden, sie liebt Wärme und sie braucht Feuchtigkeit, um ihr dichtes Laubwerk grün zu erhalten. Linden werden sehr alt, in Einzelfällen über 1.000 Jahre. Von der Linde sagt man, 300 Jahre kommt sie, 300 Jahre steht sie, 300 Jahre geht sie.
Die Fasern der Rinde sind besonders zäh und biegsam; dieser Lindenbast wurde seit alters her zur Herstellung von Seilen, Matten, Taschen oder Kleidung genutzt.

Die Linde ist wie eine Mutter

Die Linde ist ein Freund der Menschen; sie steht häufig im Zentrum von Städten und Dörfern, prägt das Straßenbild und begleitet bekannte Stadtalleen Straßen und Brunnen der früheren Zeiten. Städte wie Lindau oder Leipzig haben ihren Namen von der Linde, wie die vielen Orte, die den Namen Linn, Lind, oder Linde im Namen tragen.
Unter der Linde wurde Gericht gehalten, Urteile wurden unterzeichnet mit: judicum sub tilia ("gerichtet unter der Linde"). Das Wort subtil soll also von diesen, teilweise sehr spitzfindigen juristischen Formulierungen, die unter der Linde geschrieben wurden, abstammen.

Linden werden oft an heiligen Orten gepflanzt

Unter dem Schutz des Lindenbaums

Linden markieren Kraftorte und heilige Stellen in den Städten, an Kirchen und Friedhöfen, bei Wallfahrtskapellen. Lindendüfte können berauschen und verführen, sie können das Herz öffnen und die Seele weiten. Mit ihren tausenden herzförmigen Blättern ist die Linde der Baum der Liebenden. Die Blüten der Sommerlinde bilden reichlich Nektar und enthalten Schleimstoffe sowie das ätherische Öl Farnesol. Der Blütenduft ist besonders gegen Abend intensiv. Die Fruchtstände werden vom Wind verbreitet, hängen aber an den kahlen Bäumen oft noch bis zum Spätwinter.

Im Schatten der Dorflinde spielte sich das gesellschaftliche Leben ab: Dort wurde gefeiert, getanzt, geheiratet, aber auch Recht gesprochen. Schon zu früher Zeit nutzte man das weiche und dennoch feste Holz des Baumes für Schnitzwerk, bis heute findet es Verwendung in der Bildhauerei.
Die Germanen weihten die Linde der Göttin Freya. Sie war die Göttin der Liebe, des Glücks, der Fruchtbarkeit und des guten Hausstandes. Christen tauschten zu späterer Zeit die unter den Linden aufgestellten Freya-Statuen gegen Darstellungen der Jungfrau Maria aus.

Wie wirkt die Linde?

Blätter, Blüten und Rinde wirken schweißtreibend, fiebersenkend, krampflösend und entzündungshemmend. Lindenholz-asche ist ein desinfizierendes Zahnpulver, das auch das Zahnfleisch stärkt. Junge Lindenblätter können wie Spinat oder als Salat gegessen werden oder unter das Futter unserer Pflanzenfresser gemischt werden. Das Holz der Linde kam auch in Form seiner Kohle bei Vergiftungen zur Anwendung. Ein Lindenblütentee sorgt bei grippalen Infekten durch seine schweißtreibende Wirkung für Linderung. Hauptanwendungsgebiet sind hartnäckiger Husten, Verschleimungen und Reizhusten.
Die Schleimstoffe bilden einen Schutzfilm auf den Bronchial-Schleimhäuten, sodass gereizte und entzündete Atemwege zur Ruhe kommen. Gerbstoffe dichten die Schleimhäute zusätzlich gegen Krankheitserreger ab. Das verhindert eine erneute Besiedlung mit Keimen und mindert den Hustenreiz. Die erhöhte Flüssigkeitszufuhr durch eine Teekur erleichtert die Verflüssigung von festsitzendem Sekret in den Atemwegen. Weniger zäher Bronchialschleim kann besser und leichter abgehustet werden.

Dosierung

Lindenblütentee wird von Tieren gerne getrunken, man nimmt pro Tasse (200 ml) 1,5 g (= 1 gehäufter Teelöffel) Lindenblüten; sind im Tee Blüten und Lindenblätter gemischt, nehmen Sie zwei Teelöffel pro Tasse. Empfohlen werden für erwachsene Menschen 3 Tassen täglich; die Erfahrung zeigt, dass häufigere Gaben über den Tag verteilt (bis zu einem Liter) die Erkältung schneller lindern und die Heilung beschleunigen.

Pferden gibt man 5 - 10 g Lindenblüten und Blätter, Hunden genügen 1,5 - 3 g

Linden, Lindwürmer und Helden

Wie die Eiche ist die Linde in vielen Kulturen ein heiliger Baum. Bei aller Weiblichkeit und Liebenswürdigkeit, unter einer Linde erschlug Siegfried den Drachen/Lindwurm und badete dort in dessen Blut, um unverwundbar zu werden. Freya, die viele der gefallenen Helden in ihre Halle einlud, sagte "Du bleibst verwundbar und sterblich", sie legte ein Lindenblatt auf Siegfrieds Schulter. Wegen dieser verletzlichen Stelle konnte ihm Hagen – unter einer Linde – das Leben nehmen.

Die Linde lindert:

  • In unkonzentrierten oder zerfahrenen Situationen hilft uns die Linde. Sie sorgt für innere Ruhe und Sammlung.
  • Menschen und Tieren in dauernder Erregung bringt die Linde ausgleichende Kühlung.
  • Die regelmäßige Begegnung mit der Linde stärkt das Herz und seine Funktionen. Tee aus Lindenblüten lindert den Hustenreiz, Linde beruhigt, reinigt und wirkt schweißtreibend. Sie hilft bei Erkältungen.
  • Mit jeder Blüte und jedem Blatt sagt die Linde, dass sie uns lieb hat. Unter blühenden Linden finden viele Menschen ihre innere Ruhe wieder.

Manfred Hessel

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