BG_Waldmeister_Frühlingsplatterbse

Für eine Agrarpolitik mit Sinn und Verstand

Die Ressource Boden ist endlich. Jedes Jahr gehen Millionen Hektar Land verloren, sei es durch Bebauung, Erosion oder Versalzung. Gleichzeitig mindern Extremwetterereignisse vielerorts die Erträge. Im Rahmen der deutschen Energiewende müssen vermehrt Energiepflanzen angebaut und große Flächen für Solar- und Windkraftanlagen bereitgestellt werden. Anbauflächen für Lebensmittel gehen dadurch verloren.

Die Ansprüche an die Landwirte in Sachen Nachhaltigkeit sind in den letzten Jahren gestiegen: Sie sollen nicht nur Lebensmittel für 80 Millionen Menschen in Deutschland und über 7 Milliarden auf der Erde erzeugen, sondern auch die Umwelt und Natur schützen, indem sie möglichst wenig Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausbringen, um Gewässer, Böden, Insekten, Vögel und andere Lebewesen zu schonen.
Da die Land- und Forstwirtschaft die einzigen Branchen sind, die CO2 nicht nur emittieren, sondern auch speichern können, sind sie maßgeblich fürs Klima verantwortlich.

Ein beliebter Lösungsansatz für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, den z. B. auch die Bundesregierung verfolgt, ist die Umstellung auf mehr Ökolandbau. Von 20 % Bio bis 2030 ist im Koalitionsvertrag die Rede.

Eine organische Düngung fördert die Humusbildung und somit die Fruchtbarkeit des Bodens. Dafür werden pflanzliche Abfälle, aber auch Mist von Tieren benötigt. Daraus lässt sich hochwertiger Kompost herstellen, der dann aber auch an Landwirte verteilt werden müsste, die keine Viehhaltung betreiben. Eine weitere Maßnahme ist der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten, wodurch die Erosionsgefahr sinkt.

Nun wünschen sich zwar die Verbraucher in Umfragen regelmäßig mehr Bio; an der Ladentheke fällt die Entscheidung aufgrund des geringeren Preises dann aber bei 90 % der Käufer doch zugunsten konventioneller und billigerer Produkte aus.
Mehr Bio alleine kann also nicht die Lösung sein. So weiterzumachen wie bisher, ist aber auch keine Option.

Wo die Landwirtschaft zu hohe Nitrateinträge ins Grundwasser verursacht, da muss sie stärker in die Pflicht genommen werden, um diese zu verringern. Wo andere Ursachen vorliegen, müssen diese ermittelt und beseitigt werden. Zugleich muss die Branche sich durch den Einsatz modernster Technik weiterentwickeln.
Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin konnte man im Januar eindrücklich bestaunen, was technisch bereits möglich ist. Durch moderne Anbauverfahren können Böden schonend bearbeitet werden. Der Bedarf an Dünger und Pflanzenschutzmitteln kann genau errechnet, und die Mittel können dann punktgenau ausgebracht werden.

Moderne Boxenlaufställe ermöglichen es Milchkühen, sich frei zu bewegen und selbst zu entscheiden, wann sie an die Melkmaschine gehen. Innovative Technik ermittelt den individuellen Futterbedarf des Tieres.

Neue Züchtungsmethoden, wie die sogenannte Genschere Crispr/Cas, beschleunigen die Züchtung neuer Sorten um Jahre. Auf diese Weise können Pflanzen entstehen, die resistenter gegen Wettereinflüsse oder Schädlinge sind, was vor dem Hintergrund des Klimawandels und der gewünschten Pflanzenschutzmittelreduzierung mehr als sinnvoll erscheint. Diese Methode hat mit der bisher verpönten Gentechnik nichts zu tun. Das muss man den Menschen vermitteln. Und die Forschung geht weiter.

Was im Ausland längst gang und gäbe ist, wird in Europa von einer überholten Gesetzgebung verhindert, die dringend an den neusten Stand der Wissenschaft angepasst werden muss. Mit Ideologie löst man diese Probleme nicht.
In Deutschland hat es sich in den letzten Jahren eingebürgert, Politik über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu machen. Ebenso hat es sich eingebürgert, Mittel oder Verfahren zu verbieten, ohne vernünftige Alternativen anzubieten. (Das kennen wir schon von der Energiewende.)

Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse müssen wieder die Debatten bestimmen, nicht Meinungen und Stimmungen.
Wenn Politiker ohne Praxiserfahrung und Sachkenntnis über die Zukunft einer Branche zu entscheiden haben, sollten sie sich von Praktikern beraten lassen.

Carina Konrad
Diplom-Ingenieurin agrar (FH), MdBCarina Konrad, Diplom-Ingenieurin agrar (FH), MdB

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